Von Blütenpollen bis Tierhaaren gibt es viele Allergien, die uns im Alltag plagen

Allergien – von Heuschnupfen bis Hyposensibilisierung

Eine Allergie verleitet das Immunsystem dazu, auf eigentlich harmlose Substanzen, mit denen wir in Kontakt kommen, mit einer Abwehrreaktion zu reagieren. Wer kennt nicht den typischen Heuschnupfen, welcher sich beim Einatmen von Blütenpollen durch Symptome wie Niesen, Husten oder Schwellungen der Atemwege bemerkbar macht? Verschiedenste Substanzen – sogenannte Allergene – wie zum Beispiel Pollen, Tierhaare, Hausstaub, manche Lebensmittel oder Medikamente können allergische Reaktionen hervorrufen. Die meisten Allergien äußern sich durch eher lästige Symptome, doch kann es gelegentlich auch zu schweren Sofortreaktionen kommen, die einen lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock auslösen.

Die Wahrscheinlichkeit, an mindestens einer Allergie zu leiden, ist hoch. Eine Erhebung von Statista Research aus dem Jahr 2022 zeigte, dass in Deutschland gut ein Drittel aller Frauen (34 Prozent) und mehr als ein Viertel der Männer (27 Prozent) über allergische Reaktionen klagten. Europaweit gelten etwa 30 Prozent der Bevölkerung als „allergisch“, wobei Anzahl, Art und Schwere der Allergie sich von Person zu Person stark unterscheiden. Während saisonale Allergien wie die Allergie gegen Pollen und Gräser pro Jahr nur wenige Monate Probleme machen, können ganzjährige Varianten wie die Hausstauballergie jederzeit ausgelöst werden.

Ein Allergietest kann die meisten Allergien leicht nachweisen. Den Ursachen von Allergien kommt die Forschung dagegen nur langsam auf die Schliche. Immerhin stehen bereits Medikamente gegen allergische Reaktionen zur Verfügung. Und mit der Hyposensibilisierung lassen sich manche Allergien abschwächen oder beherrschbar machen. In diesem Beitrag wird das aktuelle Wissen über Allergien aufbereitet und Sie erfahren Wissenswertes über verschiedene Allergien, mögliche Ursachen, Folgen sowie Behandlungsmöglichkeiten.

Keine Panik – viele Allergien und ihre Symptome lassen sich behandeln

Was ist die Ursache für Allergien?

Allergien können verschiedene Ursachen haben. Eins vorweg: es scheint, als würde die Zahl der Allergiker vor allem in der westlichen Welt stetig ansteigen. Medizinische Daten aus den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung belegen, dass Heuschnupfen in den neuen Bundesländern im Verhältnis nur halb so viel Menschen betraf, wie in den alten Bundesländern. Schon zehn Jahre Später hatte sich die Zahl der Fälle in Ost und West nahezu ausbalanciert. In den vergangenen Jahrzehnten stieg die Allergiehäufigkeit in allen westlichen Industrienationen, während sie beispielsweise in Indien, China oder auf dem Balkan praktisch stagnierte. Eine der wichtigsten Hypothesen, was mögliche Auslöser von Allergien angeht, zielt daher auf die individuellen Lebensumstände ab.

Die sogenannte Hygienehypothese vertritt die Auffassung, dass eine Unterforderung des Immunsystems – gerade in jungen Jahren – zur Entstehung von Allergien führen kann. Vereinfacht gesagt, spielen Kinder in westlichen Nationen nicht genug „im Dreck“. Ihnen fehlt demnach der ausreichende Kontakt mit verschiedenen Bakterien, welche die T-Helferzellen des Immunsystems „trainieren“. Als Resultat würden die T-Helferzellen demnach im späteren Leben harmlose Substanzen mit bedrohlichen Stoffen verwechseln und entsprechende Immunantworten auslösen. Naturnah mit viel Kontakt zu Tieren und Pflanzen aufzuwachsen und als Kind verschiedene Krankheiten zu überstehen, sollte nach dieser Hypothese die Wahrscheinlichkeit senken, Allergien zu entwickeln.

Die Hygienehypothese vermutet, dass Allergien schwächer ausfallen oder ausbleiben, wenn das Immunsystem bereits in jungen Jahren „trainiert“ wird

Umweltverschmutzung gilt als ein weiterer Faktor für die Entstehung von Allergien. Dabei wird nicht nur das menschliche Immunsystem potenziell in Mitleidenschaft gezogen – auch Bäume und Sträucher könnten sich unter Einfluss von Abgasen und Toxinen so verändern, dass sie stärkere Allergien auslösen. Des Weiteren kann die Verbreitung von Allergenen begünstigt werden, indem sie sich an Feinstaubpartikel aus Ruß und Autoabgasen heften. Viele Pollen sind dafür klein genug und werden gemeinsam mit den Schadstoffen inhaliert.

Der Einfluss der Genetik auf Allergien ist noch nicht ausreichend geklärt, jedoch ist bereits bekannt, dass Kinder von Allergikern ein erhöhtes Risiko haben, selbst Allergien zu entwickeln.

Was für Allergien gibt es?

Die Liste der verschiedenen Allergieauslöser ist lang. Unterschiede bestehen vor allem darin, wie wir die Allergene aufnehmen und welche Symptome sie hervorrufen. Viele Allergene von Pollen über Tierhaare bis zum Hausstaub schweben als feine Teilchen in der Luft und werden eingeatmet. Allergene in Erdnüssen, Früchten oder anderen Lebensmitteln gelangen mit der Nahrungsaufnahme in den Organismus. Seltener sind Allergien, die schon bei der Berührung des Allergens ausgelöst werden – beispielsweise Nickelallergie oder Latexallergie. Manche Menschen reagieren sogar empfindlich auf UV-Licht und entwickeln eine sogenannte Sonnenallergie.

Da nicht alle Pflanzen zugleich blühen, können Pollenallergien von Frühjahr bis Herbst auftreten

Es wird zwischen saisonalen und ganzjährigen Allergien unterschieden. Blütenpollen und Gräser reichern vor allem von Frühjahr bis Herbst die Luft an. Einige Pollenarten fliegen sogar bis weit in den November hinein. Die schwierigste Zeit für Allergiker mit saisonalem Heuschnupfen ist jedoch im Frühjahr und Sommer. Ganzjährige Allergien sind diejenigen, die „immer da“ sind, denn Allergene wie Hausstaub, Nickel, Latex oder Erdnüsse können zu jeder Jahreszeit eine Allergie auslösen. Eine Sonnenallergie ist im Winter oft schwächer, da weniger Hautfläche der Sonne ausgesetzt wird und weil deren UV-Index in den Wintermonaten niedriger ist.

Von einer Kreuzallergie wird gesprochen, wenn Symptome einer bestehenden Pollenallergie beim Genuss bestimmter Lebensmittel auftreten. Fast zwei Drittel der Pollenallergiker sind mehr oder weniger stark von einer Kreuzallergie betroffen. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Kombination von Apfel und Birke. Das Allergen der Birkenpollen ähnelt dem in Äpfeln enthaltenen Allergieauslöser so sehr, dass die Substanzen vom Immunsystem gleich behandelt werden. Fällt eine Kreuzallergie schwer aus, müssen Betroffene unter Umständen unter ärztlicher Beratung ihre Essgewohnheiten umstellen.

Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen sind besonders tückisch, denn sie führen dazu, dass das Immunsystem Zellen und Gewebe des eigenen Körpers angreift. Ein bekanntes Beispiel ist der „Lupus“, der sich durch chronische Entzündungen des Bindegewebes, der Gelenke und verschiedener Organe äußert. Diagnose und Behandlung von Autoimmunkrankheiten stellen Mediziner vor große Herausforderungen. Als mögliche Auslöser gelten unter anderem Viruserkrankungen, die Folgen bakterieller Infektionen oder die Überproduktion weißer Blutkörperchen. Manche Betroffenen müssen ein leben lang Medikamente nehmen, um das Immunsystem zu unterdrücken. In anderen Fällen heilen Autoimmunerkrankungen scheinbar von ganz allein und verschwinden wieder.

Eiweiße im Speichel von Katzen und anderen Tieren lösen bei vielen Menschen sogenannte Tierhaarallergien aus

Die verschiedenen Allergie-Typen

Der Mechanismus, über den Allergien im Körper ausgelöst werden, läuft nicht immer gleich ab. Zudem bestehen Unterschiede bei der Weise, wie Allergene in den Organismus gelangen und der Dauer bis zum Auftreten der ersten Symptome. In der Medizin werden Allergien daher in vier verschiedene „Allergie-Typen“ eingeteilt.

  • Typ-1-Allergie: Typ 1 wird auch „Sofort-Typ“ genannt, denn die allergischen Reaktionen treten hier unmittelbar oder nach wenigen Minuten – spätestens nach einer halben Stunde – auf. Typische Symptome einer Typ-1-Allergie sind Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen, Niesen oder Husten. In schweren Fällen können Atemnot oder Anaphylaxie eintreten – die unmittelbare Notversorgung kann dann lebenswichtig sein. Neben Pollen, Staub und Tierhaaren zählen auch Insektenstiche zu den Auslösern des Sofort-Typs.
  • Typ-2-Allergie: Sechs bis zwölf Stunden nach Kontakt mit dem Allergen wird das Immunsystem bei der Typ-2-Allergie aktiv. Sie wird auch als „Zytotoxischer Typ“ bezeichnet, da sich spezielle Antikörper bilden, um körperfremde Strukturen zu zerstören, dabei jedoch körpereigenes Gewebe angreifen. Häufig tritt dieser Allergie-Typ im Zusammenhang mit Bluttransfusionen auf.
  • Typ-3-Allergie: Der sogenannte „Immunokomplex-Typ“ macht sich ebenfalls nach sechs bis zwölf Stunden bemerkbar. Dabei verbinden sich Allergene mit Antikörpern zu den namensgebenden Immunokomplexen. Sobald diese von Fresszellen absorbiert werden, werden Enzyme frei, die das umgebende Gewebe reizen und schädigen. Oftmals resultiert die Typ-3-Allergie in entzündlichen Gefäßkrankheiten.
  • Typ-4-Allergie: Zeigen sich erst nach mindestens zwölf Stunden Allergiesymptome, dürfte es sich um Typ-4, den „Spät-Typ“ handeln. Dieser verspätet auslösende Typ tritt manchmal sogar erst nach Tagen auf und kann selbst dann noch eine Weile aktiv bleiben, wenn kein Allergieauslöser mehr vorhanden ist. Die Nickelallergie tritt beispielsweise meist erst als Spät-Typ auf.

Was sind die häufigsten Allergien?

Die häufigsten Allergien werden oft von Substanzen ausgelöst, denen wir uns im Alltagsleben kaum entziehen können. Leichte Ausprägungen sind oft nicht gleich als Allergie zu erkennen, denn wenn genug Staub oder Blütenpollen in die Nase kommen, niest wohl jeder Mensch. Erst wenn die allergischen Reaktionen über die normale Reizreaktion hinausgehen, bemerken die meisten Betroffenen, dass sie Allergiker sind. Andere Allergien lassen sich aufgrund ihrer Symptome schnell erkennen. Da heutzutage bereits viele Menschen über die Existenz von Allergien aufgeklärt sind, werden erste Allergietests oft schon im Kindesalter durchgeführt.

Der Kot von Hausstaubmilben löst die sehr häufige Hausstauballergie aus

Hier ein Überblick über einige der häufigsten Allergien:

  • Heuschnupfen: Hinter dem Volksleiden Heuschnupfen verbergen sich Pollenallergien. Verschiedenste Pflanzen streuen ihre Pollen aus, um einander zu befruchten. Als winzige Partikel driften die Pollen durch die Luft – werden sie eingeatmet, können die darin enthaltenen Eiweiße allergische Reaktionen auslösen. Typische Symptome einer Pollenallergie sind Niesen, eine juckende und laufende Nase oder tränende Augen. In schwereren Fällen können auch Kopfschmerzen oder gar Atemnot bis hin zur Entwicklung einer allergischen Asthma-Erkrankung auftreten. Es wird vermutet, dass Faktoren wie Rauchen, Passivrauchen oder Luftverschmutzung die Entstehung von Pollenallergien begünstigen. In Mitteleuropa entsteht der Heuschnupfen vorwiegend durch folgende Pollen: Erle und Hasel von Januar bis März, Esche und Birke von April bis Sommer, Beifuß von August bis Herbst und Gräserpollen vom Spätfrühjahr bis in den Herbst hinein.
  • Hausstauballergie: Staub lagert sich in jedem Haus ab und ist quasi unvermeidlich. Doch der Staub selbst löst höchstens leichte Atemwegsreizungen aus – die Hausstauballergie ist dagegen eine Reaktion auf Substanzen im Kot von Milben. Diese teils mikroskopisch kleinen Spinnentierchen sind praktisch überall – sie leben in Teppichen, Vorhängen, Bettbezügen, etc. Die Allergie macht sich durch schnupfenartige Symptome bemerkbar, seltener auch durch Reizungen der Augen. Hausstauballergien sind selten schwerwiegend und eher lästig als gefährlich. Dennoch kann sich auch hier in manchen Fällen eine Asthma-Erkrankung entwickeln. In seltenen Fällen sind Kreuzallergien mit dem Verzehr von Schalentieren bekannt. Ganz normale häusliche Hygiene reicht für gewöhnlich aus, um die Menge des Staubs und damit auch der Allergene auf einem erträglichen Level zu halten. Es empfiehlt sich, viel feucht zu wischen, um beim Putzen nicht unnötig Staub aufzuwirbeln.
  • Tierhaarallergie: Auch hier ist der Name der Allergie etwas irreführend, denn nicht die Haare beliebter Haustiere wie Hunde oder Katzen sorgen für Probleme. Tatsächlich entstehen die Allergien durch bestimmte Eiweiße im Speichel der Tiere. Bei der Fellpflege gelangen die Eiweiße ins Tierhaar und mit ausgefallenen Haaren in den gesamten Haushalt. Dort können die Allergene noch lange in der Luft schweben, da es sich um winzigste Teilchen handelt. Am häufigsten werden „Tierhaarallergien“ von Katzen ausgelöst, dicht gefolgt von Hunden. Katzenallergiker sind meist gegen alle Katzenarten allergisch, wobei es Arten gibt, deren Speichel geringere Mengen an Allergenen aufweist. Hundeallergiker sind manchmal nur gegen einige bestimmte Rassen allergisch. Die Symptome ähneln oft einer Erkältung, geschwollene und tränende Augen sind ebenfalls typisch. Häufiges Reinigen von Tieren frequentierter Räumlichkeiten sowie die Installation von Luftreinigern können bei der Reduzierung der Allergen-Belastung helfen.
  • Sonnenallergie: Wenn ein bis zwei Tage nach dem Sonnen Quaddeln, Bläschen oder juckender Ausschlag entstehen, besteht vermutlich eine Überempfindlichkeit gegen UV-Strahlung. Im technischen Sinne handelt es sich bei der „polymorphen Lichtdermatose“ nicht um eine Allergie. Die genauen Gründe sind noch unbekannt, doch häufig tritt diese Überreaktion auf, wenn die Haut nach den Wintermonaten wieder verstärkt mit Sonnenlicht in Kontakt kommt und lässt dann wieder nach. Wer zu schweren Ausprägungen neigt, sollte ärztlichen Rat suchen – mitunter lässt sich die Haut im Zuge einer Lichttherapie wieder schrittweise an UV-Licht gewöhnen.
  • Kontaktallergien: Diese Allergien können sehr tückisch sein, da ihre Symptome sich oft erst nach zwölf Stunden, manchmal sogar erst Tage nach dem Kontakt mit der auslösenden Substanz zeigen. Der mit Abstand häufigste Auslöser einer Kontaktallergie ist das Metall Nickel. Betroffene können mitunter keinen nickelhaltigen Schmuck tragen oder müssen darauf achten, dass ihre Haut nicht mit Metallknöpfen in Kontakt kommt. Die Kontaktstelle zeigt bei Ausbruch der Allergie Rötungen, Schwellungen oder Quaddeln. In schweren Fällen kommt es zur Bildung nässender Bläschen oder schlimmstenfalls zum chronischen Kontaktekzem mitsamt Verhornung und Narbenbildung. Da die Reaktion so spät auftritt, kommt es manchmal schon beim ersten Auftreten zu heftigen Symptomen. Wird der Auslöser erkannt, lässt er sich vermeiden und Betroffene bleiben symptomfrei. Eine Desensibilisierung wie bei anderen Allergien ist bislang nicht möglich.
  • Lebensmittelallergien: Sie sind sehr häufig und existieren in verschiedensten Ausprägungen und Varianten. Eine Lebensmittelallergie kann zu Symptomen wie geschwollenen oder prickelnden Mundschleimhäuten, Blähungen, Bauchschmerzen oder Nesselsucht führen. In einigen seltenen Fällen kann jedoch auch ein lebensbedrohender anaphylaktischer Schock eintreten – die Erdnuss-Allergie gilt hier als ein typischer Auslöser. Während manche Lebensmittelallergien sich sofort bemerkbar machen, gehören andere zu den Spät-Typen, was ihre Diagnose enorm erschwert. Schwere Lebensmittelallergien treten zum Glück selten auf.
  • Glutenallergie: Ein weiterer umgangssprachlicher Begriff, der oft übergeordnet für Unverträglichkeiten gegen Weizen oder das in verschiedenen Getreidesorten vorkommende Klebereiweiß Gluten benutzt wird. Hinter den Symptomen, die von Blähungen bis zu schlimmen Durchfällen reichen können, kann eine Weizenunverträglichkeit oder eine Zöliakie stecken. Schwere Durchfallsymptome sprechen für eine Zöliakie – eine Autoimmunkrankheit der Dünndarmschleimhaut. Entsprechende Symptome nach dem Verzehr von Lebensmitteln mit Weizen oder anderem Getreide sollten ärztlich abgeklärt werden.
  • Insektenstich-Allergie: Bei einer Allergie gegen Insektengift können Wespen- oder Bienenstiche schwere, mitunter sogar lebensbedrohliche Sofortreaktionen hervorrufen. Besonders gefährlich sind Stiche im Hals- und Mundbereich, oder sogar in Mund oder Rachen. Die entstehenden Schwellungen sind schon für Nicht-Allergiker gefährlich – bei einer Insektengift-Allergie fällt die Schwellung so stark aus, dass akute Lebensgefahr besteht. Krämpfe, Durchfall, Erbrechen und Herzrasen können weitere Symptome einer Insektenstich-Allergie sein.
  • Medikamenten-Allergien: Medikamente enthalten oft eine Vielzahl von Wirkstoffen und anderen Substanzen. Manche davon können mitunter Allergien auslösen. Allergische Reaktionen treten oft direkt nach der Einnahme des Präparats auf, können sich jedoch auch Stunde oder Tage verzögern. Die Vielzahl der möglichen Auslöser kann es schwer machen, eine Medikamenten-Allergie festzustellen. Verhältnismäßig häufige und bekannte Allergien bestehen beispielsweise gegen Inhaltsstoffe mancher Antibiotika oder die im Aspirin enthaltene Acetylsalicylsäure (ASS). Liegt eine Medikamenten-Allergie vor, muss die betreffende Substanz stets vermieden werden. Eine Hyposensibilisierung ist nicht möglich.
  • Laktoseintoleranz: Eine tatsächliche Allergie gegen Laktose ist extrem selten. Wer keine Kuhmilch verträgt, leidet meist unter einer Laktoseintoleranz. Laktose ist ein Zucker, der auch in der menschlichen Muttermilch vorkommt. Eine gesunde Verdauung spaltet die Laktose im Dünndarm in Glukose und Galaktose – bei einer Intoleranz wird die Laktose nicht korrekt verdaut und erst im Dickdarm zersetzt. Dabei entstehen typische Symptome wie Blähungen, Völlegefühl, Krämpfe oder Durchfall. Eine ausgeprägte Laktoseintoleranz erfordert eine Ernährungsumstellung unter ärztlicher Anleitung. Lebensbedrohlich ist sie jedoch nicht.
Verschiedene Nahrungsmittel können Lebensmittelallergien auslösen, oft in Kreuzallergie mit manchen Pollenarten

Wie kann ich eine Allergie erkennen?

Treten bei Ihnen häufig Symptome wie tränende Augen, Jucken, Niesen, Hautausschlag oder Quaddeln auf, könnte eine Allergie dahinterstecken. Nicht immer ist der Grund sofort zu erkennen – die feinsten Pollen oder Staubpartikel sind für das menschliche Auge unsichtbar. Andere Allergien äußern sich erst nach Stunden, was die Suche nach der Ursache erschwert. Versuchen Sie, sich zu erinnern, ob die Symptome im Zusammenhang mit einem Nahrungsmittel, der Einnahme eines Medikaments oder einem Insektenstich aufgetreten sind und wie lange es bis zum Einsetzen der Symptome gedauert hat. Wenn Sie medizinischen Rat suchen, wird man Sie unter anderem danach fragen.

Verlässlichen Aufschluss über Allergien können Sie nur gewinnen, wenn Sie einen Allergietest machen. Suchen Sie die Ärztin oder den Arzt Ihres Vertrauens auf – viele Hausärzte oder Hautärzte sind zugleich Allergologen. In den meisten Fällen wird hierzu ein Hauttest durchgeführt. Die Standard-Methode ist der sogenannte Pricktest. Dabei werden in einer neutralen Flüssigkeit enthaltene Allergene auf die Haut getröpfelt. Mit einer feinen Nadel wird durch die Tropfen hindurch in die obere Hautschicht gestochen, sodass das Allergen in einer kleinen Menge in die Haut einsickern kann. Schwillt die betroffene Stelle in den folgenden Minuten an, liegt eine Allergie vor. Mit dieser Methode lassen sich zahlreiche Allergien sowie deren Stärke zugleich testen – meist auf der Haut des Rückens.

Eine ähnliche Methode ist der Epikutantest – hier werden jedoch Aluminiumscheibchen auf die Haut gesetzt, welche zuvor mit einer Mischung aus Allergenen und Vaseline bestrichen wurden. Diese Methode wird zur Feststellung von Kontaktallergien genutzt. Da diese Allergien Spät-Typen sind, müssen die Aluminium-Patches oft mehrere Tage lang getragen werden. Gelegentlich kommen auch Bluttests oder Provokationstests, bei denen das Allergen eingeatmet wird, zur Allergie-Diagnose zum Einsatz.

Epiktantests oder Pricktests sind übliche Verfahren, um Allergien zu testen

Sind Allergien heilbar?

Allergien sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht heilbar. Sie lassen sich jedoch meist behandeln und in manchen Fällen so weit unterdrücken, dass sie nur noch geringe oder keine Beschwerden mehr verursachen. In schweren, lebensbedrohlichen Fällen lässt sich die Immunantwort des Körpers mit speziellen Medikamenten unterdrücken. Natürlich können solche Behandlungen mit anderen Nebenwirkungen einhergehen. Falls möglich, ist es vorzuziehen, den Allergieauslöser komplett zu vermeiden. Ist dies nicht möglich oder gewünscht – zum Beispiel, weil Sie nicht auf Ihr Haustier verzichten möchten – verspricht die Methode der Hyposensibilisierung die besten Erfolgschancen.

Bei der Hyposensibilisierung werden Patienten gezielt geringe Mengen des Allergens verabreicht. Die Behandlung beginnt mit einer extrem niedrigen Dosis, welche über Wochen und Monate schrittweise gesteigert wird. Durch den kontinuierlichen Kontakt mit geringen Mengen des Allergieauslösers kann sich das Immunsystem langsam an das Allergen gewöhnen. Man spricht von der immunologischen Toleranz. Mit dieser Behandlungsmethode sind bereits sehr gute Resultate erzielt worden. Allergiebeschwerden lassen sich zuverlässig mindern und nicht selten sind die Symptome nach der Therapie sogar völlig verschwunden. Die Hyposensibilisierung lässt sich gegen Allergien des Sofort-Typs anwenden – zum Beispiel gegen Pollen-, Staub- oder Tierhaarallergien.

Kann eine Allergie von allein verschwinden?

Es existieren Berichte von Fällen, in denen Allergien ohne ersichtlichen Grund wieder verschwunden sein sollen. Diese Fälle sind jedoch selten und die Gründe der vermeintlichen Heilung ungeklärt. Jedoch ist bekannt, dass Allergien im Laufe des Lebens oft schwächer werden. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass das Immunsystem in jüngeren Jahren oft schneller und heftiger reagiert. Da man sich vielen Allergenen im Alltag nicht völlig entziehen kann, spielt vermutlich auch eine Art „passive Desensibilisierung“ eine Rolle beim Nachlassen von Allergien. Dies trifft vor allem auf „Volks-Allergien“ wie Pollen-, Staub- oder Tierhaarallergien zu.

Gerade bei schweren Allergien ist es ratsam, die Hilfe erfahrener Allergologen zu suchen

Fazit

Allergien sind Teil unseres Lebens und in den meisten Fällen lässt sich auch mit ihnen leben. Vor allem die Hyposensibilisierung hat schon vielen Betroffenen geholfen. Falls Sie an einer Allergie mit schweren Ausprägungen leiden, sollten Sie sich keinesfalls auf deren Nachlassen oder spontane Selbstheilungen verlassen. Suchen Sie ärztlichen Rat, denn in vielen Fällen wird man Ihnen helfen können. Da manche Allergien auch stärker werden können, ist mindestens zu einem Allergietest zu raten, um den Grad vorhandener Allergien einschätzen zu können.

Der Stand der Forschung weist darauf hin, dass ein gesunder, aktiver Lebensstil am besten geeignet ist, um der Entstehung von Allergien oder zumindest schweren Ausprägungen entgegenzuwirken. Man hört oft den berühmten Satz, die Kinder „im Dreck spielen zu lassen“, denn um ein gesundes Immunsystem aufzubauen, muss dieses mögliche Erreger kennenlernen. Ob und wie genau sich eine Allergie entwickelt, ist jedoch von Mensch zu Mensch verschieden. Suchen Sie im Zweifel eine Allergie-Praxis auf, um Ihre individuelle Situation von medizinischen Profis klären zu lassen.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Sommer – auch mit Allergie!

Autor: Matthias Protzel
Matthias Protzel
Viele unserer Blogbeiträge stammen aus der Feder des selbstständigen Hamburger Autoren Matthias Protzel, der einst seinen Zivildienst beim Rettungsdienst des Roten Kreuzes absolvierte und sich seitdem ein aktives Interesse an medizinischen Themen bewahrt hat. Heute bietet er als Freelancer „Northern Blue" professionelle Texte aller Art an und schreibt im Auftrag von Medicalcorner24 über verschiedenste Gesundheitsthemen.